Stubaidurchquerung (Abschlussfahrt Klettern oder doch Hochtour?)

Dieses Jahr wollten wir – wie sich im Nachhinein herausstellte vor allem ich – 4 Tage die Stubaier Alpen durchqueren. Am Freitag den 1.8. ging´s los, nicht ohne an mehreren Abenden vorher etwas mühsam Material für 10 Teilnehmer für Hochtouren zusammenzustellen. Aber dank unserer und der eigenen gut ausgestatteten Materialkammer konnten alle Teilnehmer mit Steigeisen, Pickel usw, versorgt werden. Die Anreise gestaltet sich schon sehr mühsam: Nach tagelangen Regenfällen hat uns eine Totalsperrung zwischen Murnau und Oberau 1,5 Stunden Umweg gekostet.
Dafür ging es schnell mit der Stubaibahn auf das 3100m hohe Schaufeljoch. Irgendwie haben wir mit unseren Rücksäcken voller Ausrüstung und drangeschnallten Eispickeln nicht so recht zu den Sandalen bewerten und durchgestylten Tagesausflüglern gepasst, weshalb wir schleunigst über das mühsam gepflegte Schneefeld Richtung Hildesheimer Hütte abgestiegen sind. Von dort ging es auf das Gamsplatzl dem Übergang zur Siegerlandhütte, unserem ersten Etappenziel. Noch wenig an die Rucksäcke gewohnt, war da einigen die Anstrengung schon ins Gesicht geschrieben. Zu allem Überfluss mussten wir uns auch noch beeilen vom Joch herunterzukommen wegen einer anrückenden Gewitterfront.
Mit den ersten Regentropfen haben wir aber wohlbehalten die Hütte erreicht. Die Einsamkeit dieser Hütte mag man nicht glauben, wenn man noch wenige Stunden vorher den Trubel bei der Bahn erlebt hat.
Am nächsten Tag war die Überschreitung der Sonnklarspitze angesagt und unser längster Tourentag. Am frühen Morgen haben noch ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken geblitzt, aber leider hat es nicht lange gedauert, bis uns der Nebel eingehüllt hat. In der Mitte des Zustieges wurde auch schon das erste Seilgeländer benötigt, was den Aufstieg nicht beschleunigt hat. Der Nebel immer mehr zugenommen und als wir endlich am schneebedeckten Gipfel angekommen sind, war eine ungemütliche Rast in leichtem Schneeregen angesagt.  Danach galt es den 300 Meter tiefer gelegenen Einstieg in einen Felsgrat zu finden. Leider sind Fredi und ich nicht sofort auf die glorreiche Idee gekommen unsere GPS Geräte zu verwenden, was uns mindestens eine Stunde Verzögerung und einen Wiederaufstieg von 150 Höhenmetern verschaffte. Am Rand des Grates ging es zwischen Schnee und Fels ganz gut hinunter, allerdings bei mittlerweile unangenehmem Regen. Endlich auf dem Gletscher angekommen ließ der Regen nach, aber wir mussten im totalen Blindflug das Becherhaus finden. Dummerweise kannten wir nicht den höher gelegenen Zustieg und mussten trotz Nässe und großer Müdigkeit nochmal 200 Höhenmeter Klettersteig in Angriff nehmen. Da fing es natürlich wieder aus vollen Kübeln zu Gießen an und als der letzte endlich die Hütte erreichte, waren alle heilfroh.
Deshalb haben wir entschieden am nächsten Tag einen Pause Tag einzulegen. Wir marschierten lediglich zur nahegelegenen Müller Hütte und verbrachten den Nachmittag mit Eisausbildung und Eisklettern aus einer großen Gletscherspalte.
Am letzten Tag begrüßte uns endlich strahlender Sonnenschein und wir konnten das phantastische Panorama, das die Müllerhütte bietet, genießen. Voller Motivation  - bei einigen allerdings auch mit leicht schlotternden Knien – ging es Richtung Pfaffengrat mit Ziel Wilder Pfaff. Am Grat nahmen Fredi und ich an den kritischen Stellen jeweils 2 Mädels ans Seil, für die Jungs waren die leichten Kletterstellen kein Problem. So erreichten wir recht schnell den Gipfel. Nach einer ausgiebigen Brotzeit überquerten wir unterhalb des Zuckerhüttls den Sulzenauferner zum Pfaffenjoch. Dort brachte uns ein neu angelegter Steig zurück ins Skigebiet. Auf den letzten Metern half uns die Bahn zurück zum Auto.
Für mich persönlich waren es super 4 Tage, aber der bzw. dem einen oder anderen war es doch zu viel „Hochgebirge“ oder zu wenig Kletterei. Trotzdem durfte ich mich neulich riesig über ein Geschenk und Karte freuen mit den Worten: Danke Tom, das du uns gelehrt hast, über unsere Grenzen zu gehen. Im nächsten Jahr wird es wieder ruhiger, versprochen.
 
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